Wenn wir uns natürliche Lebensräume genau anschauen, dann können wir folgendes beobachten: Wo immer es geht, ist die Erde, der Boden bedeckt. Altes, absterbendes organisches Material wie Laub und heruntergefallene Früchte oder verrottende Äste und Zweige bilden eine Decke über dem Boden. Sobald ein Flecken Erde frei wird, keimen Samen in der Erde oder andere Pflanzen strecken dorthin ihre Wurzelausläufer aus. Im Nu ist die Lücke wieder geschlossen. Die Pionierpflanzen durchwurzeln den Boden und geben der Erdkrume einen Halt.
Auf diese Weise schützt sich der Boden selbst vor Witterungseinflüssen wie Starkregen, Wind und Sturm und pralle Sonne. Und es entsteht ein Kreislauf. Naturnahes Gärtnern bedeutet, die Kreisläufe der Natur zu beherzigen und sie auch im Garten nachzuahmen und zu erhalten.
Denn auch das können wir auch beobachten: Überall dort, wo Böden nackt liegen, werden sie ausgetrocknet, ausgeschwemmt, verhärten und verdichten sich. Den Bodenlebewesen setzt das zu. Sie brauchen die stete Feuchtigkeit und organisches Material zur Nahrung, um zu leben. Deshalb ist es so wichtig, den Boden zu bedecken und ihn bedeckt zu halten. Und das erreichen wir durch Mulchen und Gründüngung und mit Mischkulturen im Gemüsebeet.

Mulchen, mulchen, mulchen
Das Bedecken des Bodens mit Schnittgut nennt sich Mulchen. In unserem Garten mulchen wir gerne und regelmäßig mit Brennnessel und Beinwell als untere Schicht. Beide Pflanzen liefern wertvolle Nährstoffe und Mineralien und bauen die Humusschicht weiter auf. Ein Flächenkompost entsteht. In unseren wilden Ecken am Rande wachsen Brennnessel und Beinwell schnell wieder nach, wir können sie oft dreimal im Jahr schneiden. Nur Achtung, nicht mehr verwenden, wenn sie aussamen. Da diese untere Mulchschicht von den Bodenlebewesen schnell verarbeitet wird, nehmen wir auch immer oben auf eine Schicht Gras- und Wiesenschnitt. Ebenso geeignet ist unbehandeltes Stroh. Gras- und Strohhalme verrotten nur langsam und schützen den Boden, auch wenn mal keine Zeit für frischen Mulch ist.
Die Mulchschichten sollten nicht zu dick sein, da vor allem Grasschnitt sonst fault. Am Besten ist es auch, vor dem Mulchen gründlich zu wässern, so dass die Pflanzen versorgt sind und der Mulch trocken bleibt.





Da die Grünmasse in kleinen Gärten nicht so üppig vorhanden ist, nehmen wir auch Gründüngung zum Mulchen. Besonders im Frühjahr ist der abgeernetete Winterroggen und die Winterwicke ein willkommener Mulch. Er bringt die entnommenen Nährstoffe zurück in den Boden und regt die Bodenlebewesen in ihrer Tätigkeit an. Gleichzeitig schützt er die Erde im Frühjahr vor Austrocknung und Verhärtung.
Ja, wir schnippeln den Mulch mit der Hand (nur den Rasenschnitt nicht). Da gibt es ordentlich was zu tun. Doch solche Arbeiten erden und entspannen uns, wir sind an der frischen Luft, an einem Ort, an dem wir uns wohl fühlen und die Zeit entschleunigt dabei. Das tut gut.

Gründüngung
Eine weitere Möglichkeit, den Boden zu schützen und ihn gesund zu halten, ist die Gründüngung. Wann immer ein Beet leer steht, noch nicht eingesät oder bepflanzt ist oder überwintern soll, säen wir eine Gründüngung ein. Was wir einsäen, richtet sich nach der Aussaatzeit.

Unsere wichtigste Gründüngung ist der Winterroggen gemischt mit Winterwicke. Sie werden im Oktober gesät, keimen auch bei sehr kühler Witterung und überwintern, da sie absolut frosthart sind. Im zeitigen Frühjahr wachsen die Pflanzen. Sie leuchten dann in einem besonderen frischen Grün! Eine Wohltat fürs Auge nach der langen, dunklen Jahreszeit. Wenn dann die Beete bestellt werden, nehmen wir den Winterroggen und die Winterwicke heraus, trennen die Wurzeln ab und legen das Pflanzmaterial wieder als Mulch auf die Beete. Diese Gründüngung hinterlässt eine sehr feine Krume.

Was fast immer geht ist Senf. Er keimt sehr schnell und bedeckt den Boden im Nu. Bei Frost sterben die Pflanzen jedoch ab. Steht er sehr dicht und hoch, kann auch das abgestorbene Material ein guter Schutz über den Winter hinweg sein.

Auf die Beete, die erst Mitte Mai bepflanzt werden (mit Tomaten, Paprika, Chilli. Auberginen) säen wir im März/April Phacelia ein. Diese Gründungung wurzelt wie auch der Senf sehr tief und lockert den Boden. Auch fördert sie die Humusbildung. Phaceliablüten haben einen Nektar, den Bienen, vor allem Hummeln, lieben. Wir lassen deshalb immer auch ein paar Pflanzen stehen. Phacelia kann über das gesamte Sommerhalbjahr gesät werden.

Im August abgeernetete Beete bestellen wir mit Inkarnatklee. Oft auch als Streifen am Rand. Einfach, weil er im zweiten Jahr so schön blüht.


Klee, Lupine und Wicken sind Leguminosen. Das sind Pflanzen, Schmetterlingsblütler, deren Wurzeln eine Kooperation mit Knöllchenbakterien eingehen. Diese winzigen Bakterien sind in der Lage, Stickstoff, den die Pflanzen aus der Luft holen, im Boden zu speichern. Genial, oder? Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen gehören auch dazu. Und auch hier freuen sich Hummel, Biene und auch Schmetterlinge über den Nektar in den Blüten.

Anbau in Mischkulturen
Und dann kommt da noch der Anbau in Mischkulturen hinzu. Gute Nachbarn unter den Gemüsepflanzen, Salaten und Kräutern unterstützen sich auf vielfältige Weise gegenseitig und halten sich gesund. Sellerie mit Kohl gepflanzt schützt diesen mit seinem Geruch vor den Raupen der Kohlweißlinge, Knoblauch zwischen Erdbeeren oder Gurken hält Pilzkrankheiten fern und Puffbohnen in die Kartoffelreihen gesät versorgen die Kartoffeln mit wichtigem Stickstoff. Gemüse in Mischkulturen angebaut, kann sehr dicht stehen, denn die guten Nachbar*innen haben einen unterschiedlichen Nährstoffbedarf und nehmen sich nicht gegenseitig etwas weg. Außerdem werden hochwachsende Kulturen mit bodenbedeckenden Kulturen kombiniert. An vielen Stellen in den Gemüsebeeten stehen die Pflanzen im Sommer so dicht, dass wir dort kaum noch mulchen brauchen.
Mulchen, Gründüngung und der Anbau in Mischkulturen miteinander kombiniert schützt die Bodenlebewesen und hält unsere gute Gartenerde lebendig.

Themenreihe zur Terra Preta
Wir wollen euch in mehreren Beiträgen Geschichte und Hintergründe zu dieser wunderbaren Erde näher bringen, euch ihre Zutaten vorstellen und ihre Herstellungsweise vermitteln. Es geht dabei auch um die Schaffung eines Millieus guter Mikroorganismen im Garten, den Schutz und Erhalt lebendigen Bodens und das Potential des klimafreundlichen Gärtnerns und Zukunftsideen.
Hier findet ihr alle Beiträge in der Übersicht
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Das passiert mit feinem Grasschnitt schnell. Wir gehen dann mit dem Grubber oder Sauzahn durch und lockern den Boden zusammen mit dem Mulch wieder auf.
Obwohl – das will ich der Vollständigkeit halber noch anmerken: der viele Regen in den vergangenen Tagen hat den Grasmulch tatsächlich so verklebt, dass der Boden darunter trocken ist.
Da werde ich noch etwas Heckenschnitt einrechen.
Ja, und die Bodenlebewesen mampfen den Mulch und setzen ihn gleich in Humus um.
Wie wahr das mit dem Mulchen ist! Mit Grasschnitt wird bei mir der Rand der Hecke gemulcht, damit kein Unkraut aufkommt. Der Nachbar meinte, durch den Grasschnitt käme keine Luft mehr an den Boden. Aber tatsächlich ist es so, dass bis zum nächsten Rasenmähen der Grasschnitt weg ist – Wind, Vögel und (vermutlich) anderes Getier „verbrauchen“ das.