Terra Preta könnt ihr gut selbst herstellen. Ihr braucht dazu etwas Geduld, die notwendigen Zutaten und mit der Zeit kommt die Erfahrung.
Ausgangsmaterial sind organische Substanzen.
Wir wollen uns hier auf die Verwertung von Küchenabfällen beziehen, die das ganze Jahr über anfallen und in einem luftdicht verschlossenen Eimer fermentiert werden können.
Terra Preta lässt sich ebenso aus organischem Material aus dem Garten herstellen oder über ein ausgeklügeltes System der Toiletten-Kompostierung.
Die Zutaten
- organische Küchen- oder Gartenabfälle
- hochwertige Pflanzenkohle
- effektive Mikroorganismen (EM aktiv)
- Gesteinsmehl zur Anreicherung der Erde mit Mineralien
Diese drei Zutaten gibt es bereits fertig als Streu gemischt.
- luftdicht verschließbare Eimer aus lebensmittelechtem Material
Außerdem braucht ihr einen Ort im Garten oder ein größeres Behältnis für die Vererdung auf dem Balkon, sowie gute Gartenerde mit Regenwürmern für den Start.
Am Ende des Beitrages findet ihr noch einige persönliche Tipps von uns und Bezugsquellen.
Los geht’s

Erster Schritt
Küchenabfälle sammeln
Ihr könnt sammeln, was anfällt: Schalen von Obst, Gemüse, Kartoffeln. Das ist bei uns ein Anteil von 80 Prozent. In geringen Mengen kann man auch die Schalen von Orangen oder Zitronen nehmen. Auch gekochte oder verdorbene Speisereste lassen sich fermentieren und kommen so wieder in einen Kreislauf und werden wiederverwertet. Kaffeesatz ist ebenfalls ein hervorragendes Ausgangsmaterial. Da die Erde, die entstehen soll, selbst wieder Lebensmittel hervorbringt, ist es von vornherein eine Überlegung, Küchenabfälle von möglichst unbelasteten und unbehandelten Lebensmitteln zu verwenden. Man sagt der Pflanzenkohle und den Effektiven Mikroorganismen zwar nach, dass sie Giftstoffe in der Erde abbauen können – dazu gibt es jedoch noch zu wenig Forschungsbelege.

Effektiven Mikroorganismen und Gesteinsmehl vermischt
(im Verhältnis 10:1)
Zweiter Schritt
Die Fermentierung
Immer wenn eine Ladung Küchenabfälle frisch in den Eimer gegeben wird, kommt etwa ein Zehntel der Menge an Pflanzenkohle-Streu (mit Effektiven Mikroorganismen und Gesteinsmehl vermischt) darüber. Also 1 Teil Streu auf 10 Teile Küchenabfälle. Nach jedem Befüllen der Eimer ist es gut, mit einem dicken Holzstab die Menge zu stampfen und so die Luft rauszudrücken. Danach wird der Eimer wieder luftdicht verschlossen.
Wenn ein Eimer voll ist, dann ruht er ein paar Wochen an einem warmen Ort, zum Beispiel in der Küche. Bei Zimmertemperatur von 20 Grad Celsius braucht der Fermentierungsprozess etwa drei-vier Wochen. Im Sommer, wenn es deutlich wärmer ist, geht der Prozess schneller und die Eimer können dann auch auf dem Balkon oder im Garten stehen und ruhen. Sie sind nach etwa 2 Wochen „reif“.
Sind die Küchenabfälle einmal fermentiert, bleiben sie in dieser Zusammensetzung lange stabil, ähnlich wie Sauerkraut. Der Eimer muss jedoch luftdicht verschlossen bleiben.
Bei der Fermentierung entstehen keine Gerüche. Da die Eimer luftdicht verschlossen bleiben, ist dies eine hervorragende Variante, Küchenabfälle zu kompostieren und sie geruchsfrei in den Garten zu transportieren. Das ist besonders praktisch, wenn Wohnung und Garten auseinander liegen.

Wie sieht das Substrat am Ende der Fermentierung aus?
Macht man den Eimer auf, riecht es jetzt säuerlich. Ähnlich wie Sauerkraut. Die Strukur der Abfälle bleibt komplett erhalten, alles ist nur in der Konsistenz weicher geworden (das lieben die Regenwürmer!). Es bildet sich oft ein weißer Belag – der ist erwünscht und kommt von den Hefepilzen der Effektiven Mikroorganismen.
Fauliger oder stechender Geruch und blauer oder grüner Schimmel sind ein Zeichen, dass die Fermentierung schief gelaufen ist. Dazu siehe weiter unten.
Dritter Schritt
Humusbildung durch Regenwürmer
Die Phase der Fermentierung ohne Sauerstoff ist nun abgeschlossen. Jetzt startet die Phase der Vererdung durch Regenwürmer und andere Bodenlebewesen. Dieser Übergang muss gut durchdacht sein und beobachtet werden.
Die fermentierten Küchenabfälle kommen nun raus aus den Eimern an „die frische Luft“ und mit Erde in Kontakt. So können Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Tausendfüßler, Springschwänze und all die kleinen vielen unsichtbaren Helfer*innen die Vererdung übernehmen.
Beim Öffnen der Eimer riecht es streng säuerlich. Aber jetzt seid ihr damit an der frischen Luft und die fermentierten Abfälle landen bald von Erde bedeckt im Kompost.
Bei uns hat sich die Vererdung in einem Komposthaufen bewährt:
Wir haben immer einen kleinen Haufen fertige Komposterde und füllen den Inhalt der Eimer tief in dessen Mitte, durchmischen alles ein wenig mit Erde und decken eine gute Schicht (30 cm) Komposterde darüber.
Das hat mehrere Vorteile: viel Kontaktfläche mit Erde beschleunigt die Vererdung und das Abdecken mit Erde verhindert, dass sich Gerüche entwickeln (auch den Sauerkrautgeruch empfinden nicht alle als angenehm). Zum Schluss wird der Komposthaufen noch mit einer Schicht Pflanzenmaterial abgedeckt, um ihn vor dem Austrocknen zu schützen.

Um hungrige Waschbären abzuhalten, setzen wir inzwischen auch eine Schicht aus Zweigen mit Dornen (Schnitt von Sandorn, Schlehen oder Rosen) zum Schutz darüber.
Je nach Jahreszeit könnt ihr beobachten, wie sich innerhalb kurzer Zeit (vor allem im Frühjahr und Herbst) die Regenwürmer einfinden und vermehren. Ihr werdet staunen, wie viele Regenwürmer auf engstem Raum plötzlich am Futtern sind. Wir sind jedesmal fasziniert.

In den ersten Wochen ist es gut, immer mal wieder einen Blick in das Innere des Komposthaufen zu wagen. Am Anfang kleben die fermentierten Küchenabfälle noch sehr zusammen, wenn ihr sie immer mal lockert, Luft daran lasst und wieder mit Erde durchmischt, geht die Vererdung schneller. Auch könnt ihr euch vergewissern, ob alles nach Plan läuft.

fermentierter Küchenabfälle nach 3 Wochen Vererdungsprozess.
Auch auf dem Balkon gelingt die Vererdung, wenn ihr Platz für einen großen Pflanzenkübel habt (den Untersetzer könnt ihr als Abdeckung nutzen) oder die Terra Preta in Bäckerkisten gestapelt herstellen möchtet. Auch hier ist wichtig: die fermentierten Küchenabfälle brauchen unbedingt Kontakt zur Gartenerde oder fertiger Terra Preta – Erde, in der Regenwürmer leben, und sollten mit dieser gut durchmischt und abgedeckt sein.
Etwa drei bis vier Monate später – je nach Witterungsbedingungen und Jahreszeit – haltet ihr das schwarze Gold in der Hand. Eine weiche, feinkrümelige, nach Waldboden duftende Erde: Terra Preta – Wurmhumus.

Hier noch ein paar hilfreiche Tipps:
Für den Einstieg klappt es am besten, wenn ihr fertige Pflanzenkohle-Streu mit EM-aktiv und Gesteinsmehl vermischt verwendet.
Ihr könnt auch die Pflanzenkohle in einem kleinen Pyrolyse-Kocher oder einem Kontiki selbst herstellen. Es braucht jedoch ein wenig Erfahrung, um den Vorgang der Pyrolyse gut zu lenken und kein Schwelfeuer entstehen zu lassen.
In den meisten städtischen Gartenanlagen ist es nur eingeschränkt möglich, Pflanzenkohle selbst herzustellen. Möglich ist dies zum Beispiel in einem geschlossenen Pyrolysekocher an einem feuerfesten Platz. Bitte beachtet die jeweils gültigen Regeln und auch die aktuellen Waldbrandwarnstufen!
Als Behälter für die Fermentierung nehmen wir einfache Eimer, die luftdicht verschlossen werden können. Da es um den Anbau von Nahrung geht, sollten diese unbedingt aus lebensmittelechtem Material sein. Ihr findet in Restaurants und Großküchen solche Behälter oft als Verpackungsabfall, es gibt sie aber auch direkt zu kaufen.
Das Fermentieren der Küchenabfälle nennt sich auch Bokashi. Bokashi bedeutet auf Japanisch „Allerlei“. Zur Fermentierung von allerlei Küchenabfällen werden diese im Bokashi mit Effektiven Mikroorganismen geimpft. Dies wurde für die Terra-Preta-Herstellung übernommen. Im Unterschied zur Terra Preta wird ein Bokashi ursprünglich ohne Zugabe von Pflanzenkohle angesetzt.
Es gibt spezielle Bokashi-Eimer, die mit einem Ablaufhahn versehen sind. Über diesen wird die Flüssigkeit abgelassen. Das kann unangenehm riechen. Dieser Bokashi-Saft ist voller guter Mikroorganismen und auch voller wertvoller Nährstoffe. Er eignet sich hervorragend als Stärkungsmittel (ins Gießwasser verdünnt) für die Pflanzen drinnen und draußen.
Wir werden oft gefragt, ob die Fermentierung nur in diesen speziellen Bokashi-Eimern funktioniert. In unserer 10-jährigen Praxis haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Ablassen der Flüssigkeit nicht nötig ist. Auch Sauerkraut wird in viel Flüssigkeit fermentiert, ohne dass diese abgelassen wird. Wir meinen, dass die Fermentierung genauso gut läuft, mit oder ohne Ablassen der Flüssigkeit.
Der Grund dafür, dass wir einfache Eimer aus lebensmittelechten Kunststoff nehmen, ist der Transport zwischen Wohnung und Garten. Unsere Eimer fassen 15 Liter und passen damit gerade so in unsere Fahrradtaschen (zwei alte, extra dafür vorgesehene). So kommt der Kompost am Ende in den Garten – ganz ohne Auto.
Für die Aufbewahrung der Pflanzenkohle-Streu haben sich die berühmten „Windeleimer“ aus Emaile bewährt. Da sie sich schnell öffnen und dennoch luftdicht verschließen lassen.
Bitte habt bei der Fermentierung und der Vererdung etwas Geduld. Mit der Zeit entwickelt sich ein Gefühl zu all diesen Prozessen. Da es lebendige Prozesse sind, laufen sie jedesmal ein wenig anders ab. Je nach Jahreszeit und Temperaturen, je nach Zutaten und Aufmerksamkeit.
Falls eine Fermentierung mal schief gehen sollte, kann sie immer noch über den Vererdungsprozess wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Hier ist viel Erdkontakt und tiefes Eingraben besonders wichtig. Die Erde ist am Ende nur nicht ganz so hochwertig.

Und dann gibt es noch einen weiteren wichtigen Schritt im Prozess.
Vierter Schritt
Den Boden dauerhaft schützen
Damit die Terra Preta als humus- und nährstoffreiche, lebendige Erde erhalten bleibt, gilt es nun den Boden dauerhaft zu schützen. Die Faustregel lautet: der Boden will bedeckt und gut durchlüftet sein. Das erreicht ihr durch regelmäßiges Mulchen mit Pflanzenmaterial von Brennesseln, Beinwell und anderen Wildkräutern. Bevor die Gräser aussamen, eignet sich auch sehr gut der Rasenschnitt. Flächen, die brach liegen, sollten auch in dieser Zeit begrünt werden mit Bienenweide oder durch Gründüngung mit Senfsaat, Phacelia, Inkarnatklee, Winterwicke und Winterroggen. So wird der Boden weniger von Sonne und Wind ausgelaugt, die Feuchtigkeit wird länger gehalten, die Mikroorganismen und alles Lebendige weiter geschützt und vor allem haben die Bodenlebewesen weiter was zum Knabbern.
Auf diese Weise schützt und erhaltet ihr einen fruchtbaren, gesunden Boden, der ganz ohne künstlichen Dünger und Pestizide auskommt.

Und was gibt es Schöneres, wenn dann in einer solchen Erde die Saat zuverlässig keimt, strotzende Pflanzen heranwachsen und sich das schwarze Gold in buntes, knackig-frisches, aromatisches und äußerst schmackhaftes Obst und Gemüse verwandelt…
Wir wünschen euch gutes Gelingen!
Themenreihe zur Terra Preta
Wir wollen euch in mehreren Beiträgen Geschichte und Hintergründe zu dieser wunderbaren Erde näher bringen, euch ihre Zutaten vorstellen und ihre Herstellungsweise vermitteln. Es geht dabei auch um die Schaffung eines Millieus guter Mikroorganismen im Garten, den Schutz und Erhalt lebendigen Bodens und das Potential des klimafreundlichen Gärtnerns und Zukunftsideen.
Hier findet ihr alle Beiträge in der Übersicht
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Gerne nehmen wir eure Tipps und Ergänzungen hier auf, schreibt uns!
Pflanzenkohle, fertige Streu und Effektive Mikroorganismen
Terra Fischer – EBC-zertifizierte Pflanzenkohle
TriaTerra-Pflanzenkohle, EM und Gesteinsmehl als fertige Streu
Bei TriaTerra, einem kleinen mecklenburgischen Betrieb, könnt ihr alle wichtigen Komponenten zur Herstellung von Terra Preta erwerben (Pflanzenkohle, EM, Gesteinsmehl – auch als Mischung fertig zusammengestellt.)
Es gibt auf der TriaTerra-Seite auch Erklärvideos, Anleitungen zur Herstellung von Pflanzenkohle im Erd-Kontiki oder mit einem kleinen Pyrolyse-Camping-Kocher. Auch die Verwendung von Komposttoiletten zur Gewinnung von Terra Preta wird beschrieben.
RoPro-Streu Pflanzenkohle von EM Chiemgau
Hier findet ihr einen weiteren Anbieter von Pflanzenkohle mit Effektiven Mikroorganismen aktiviert.
EMIKO
Hier findet ihr alles rund um die Effektiven Mikroorganismen.
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Ein Kommentar zu “Terra Preta selbst herstellen – DIY”