Klimafreundlich Gärtnern mit Pflanzenkohle

Mit Hilfe eines einfachen Schulmikroskopes könnt ihr in etwa sehen, dass Pflanzenkohle in ihrer Struktur sehr porös ist (Foto unten).

Diese enorm große Oberfläche verleiht ihr die Fähigkeit, das Fünffache ihres eigenen Gewichtes an Wasser zu speichern!

Pflanzenkohle speichert Wasser

Pflanzenkohle kann das Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und gibt es nicht so schnell wieder ab. Ähnliche Eigenschaften haben naturnahe Wälder. Auch sie speichern enorme Mengen an Wasser und geben es erst nach und nach wieder in die Atmosphäre zurück. Böden, die mit Pflanzenkohle angereichert werden, können Regenwasser deutlich besser aufnehmen und halten. Sie trocknen nicht so schnell aus. Die Humusschicht wird bei starkem Regen nicht weggeschwemmt. Alles, was der Boden braucht, ist durch die Pflanzenkohle gut gebunden.

Pflanzenkohle durchlüftet den Boden

Aufgrund ihrer porösen Struktur sorgt Pflanzenkohle im Boden auch dafür, dass dieser gut durchlüftet bleibt. Einen ähnlichen Effekt hat das regelmäßige Hacken auf dem Acker. Es tut den Pflanzen gut und schützt den Boden vor Verdichtung und Austrocknung.

Pflanzenkohle hält Nährstoffe bereit

Die Anreicherung unserer Böden mit Pflanzenkohle bewirkt auch, dass all die durch Kompostierung gebildeten Nährstoffe einen Speicherraum finden. Wie unzählige kleine Speisekammern, mit denen der Boden sich bevorraten und bei Bedarf Nährstoffe den Pflanzen zur Verfügung stellen kann. Ein Zuviel oder Zuwenig kann durch Pflanzenkohle als Puffer reguliert werden. Wichtig dabei ist, die Pflanzenkohle nicht „leer“ in den Boden einzubringen, da sie die dortigen Nährstoffe in sich sammelt und dem Boden entzieht. Sie muss daher mit frischen oder fermentierten organischen Abfällen, Mist oder Jauche „angereichert“ werden. Dazu später mehr, wenn es um die Verwendung der Pflanzenkohle und die Herstellung von Terra Preta im eigenen Garten geht.

Pflanzenkohle beherbergt gute Mikroorganismen

In die wunderbare Welt der Mikroorganismen wollen wir euch im nächsten Beitrag unserer Themenreihe zur Terra Preta einführen. Hier sei nur so viel verraten: Die Nährstoffe werden durch den aufbauenden Stoffwechsel winziger kleiner Mikroorganismen in die Speicherräume der Pflanzenkohle eingebaut und durch sogenannte Chelatbildung eingekleistert. Sie können von dort nicht ausgespült werden. Doch Pflanzen mit ihren feinen Haarwurzeln sind in der Lage, diese Nährstoffe auszulösen und sie aufzunehmen.

Ist das nicht ein wunderbares Zusammenspiel?

All die unglaublichen Möglichkeiten im Überblick

  • Mit Pflanzenkohle können wir dauerhaft CO2 reduzieren
  • Mit Pflanzenkohle helfen wir dem Boden, Wasser, Nährstoffe und gute Mikroorganismen zu speichern und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen
  • Mit Pflanzenkohle sparen wir Ressourcen wie Wasser und Energie
  • Mit Pflanzenkohle vermeiden wir lange Transportwege sowie den Einsatz von Pestiziden und künstlichen Düngemitteln
  • Mit Pflanzenkohle können wir klimafreundlich, regional und dezentral Gärtnern – gesunde, humusreiche Böden geben hohe Erträge
  • Mit Pflanzenkohle entstehen nach und nach naturnahe Räume
Foto oben im Beitrag und dieses Foto: Landschaftspark Herzberge, Berlin

Nachhaltigkeit

Dieser Absatz liegt uns besonders am Herzen:

Uns Menschen und den anderen Lebewesen ist bei Weitem nicht damit geholfen, wenn jetzt plötzlich alle Pflanzenkohle im großen Stil kaufen, die Firmen einen riesen Absatzmarkt wittern und Wälder 🌳🌳🌳🌲🌲🌳🌳🌲🌳🌳🌳🌳🌳🌲🌲🌲🌳🌳🌳🌳🌲🌳🌳🌳 dafür abholzen 🪵🪵🪵🪵🪵🪵🪵 So läuft das nämlich leider oft.

Wollen wir das Potential der Pflanzenkohle nutzen, dann braucht es kluge Initiativen auf allen Ebenen. Zum Beispiel wieder mehr Hecken und Büsche, Haine und kleine Wälder auf den landwirtschaftlichen Flächen. Wir brauchen mehr Streuobstwiesen. Es gibt inzwischen einen ganzen Zweig einer zukunftsorientierten Landwirtschaft, die Agroforstwirtschaft. Hier schaffen Bäume und Sträucher Schatten in Gärten, auf Feldern und Weiden und bieten damit Schutz vor Erosion und Austrocknung. Und wir brauchen auch mehr städtische Naturräume. Organisches verholztes Material, das anfällt, sollte in dezentralen Pyrolyseanlagen verkohlt werden, statt zu verrotten oder verbrannt zu werden.

Das Wissen ist da. Die Technik gibt es. Lasst uns tätig werden.

Woher ihr Pflanzenkohle aus nachhaltigem Anbau beziehen oder wie ihr sie selbst herstellen und im Garten nutzen könnt und was es zu beachten gilt, davon schreiben wir in einem späteren Beitrag.


Themenreihe zur Terra Preta

Wir wollen euch in mehreren Beiträgen Geschichte und Hintergründe zu dieser wunderbaren Erde näher bringen, euch ihre Zutaten vorstellen und ihre Herstellungsweise vermitteln. Es geht dabei auch um die Schaffung eines Millieus guter Mikroorganismen im Garten, den Schutz und Erhalt lebendigen Bodens und das Potential des klimafreundlichen Gärtnerns und Zukunftsideen.

Hier findet ihr alle Beiträge in der Übersicht

Die wunderbare Welt der Mikroorganismen


Weiterführende Links und Quellen:

Urban Agriculture Basel

Auf dem YouTube-Kanal der Urban Agriculture Basel gibt es viele interessante, gut aufgemachte Videos zum Thema. Hier eines davon. Unbedingt anschauen!


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Veröffentlicht von sulina

https://musse-unterm-apfelbaum.org/

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