Erstaunliches über die Pflanzenkohle

Stellt euch vor, es gäbe ein Wundermittel, das den CO2-Gehalt in der Atmosphäre drastisch senken könnte und das gleichzeitig in der Lage wäre, Schadstoffe zu binden, den Humusaufbau in unseren Böden zu fördern, sie fruchtbar zu halten und Wasser zu speichern. Wir könnten mit diesem Wundermittel gesunde Nahrung in Hülle und Fülle erzeugen. Es würden Gärten, Wälder und blühende Landschaften entstehen, das Leben in seiner Artenvielfalt bekommt wieder Raum. In kluger Verbindung von nachhaltiger Bauweise, einer Wirtschaft, die die Kreisläufe beachtet und raffinierter Architektur würden wir Menschen uns Orte schaffen, an denen wir uns wohl fühlen und verweilen möchten. Wir hätten Freude am Miteinander und könnten so viel entdecken in der Welt des Lebendigen. Wir würden endlich mal alle Fünfe grade sein lassen und könnten unser Dasein genießen.

Das sind Träumereien!

Stimmt. Und dennoch möchten wir euch hier eine handfeste Idee vorstellen, in der sehr viel Potential steckt. Es geht um die Pflanzenkohle und ihre erstaunlichen Fähigkeiten.

Das vermutlich älteste Smiley der Welt 😉 Es besteht aus Pflanzenkohle, die in Kieselstein eingeschlossen wurde.
Vor vielen Millionen Jahren. Wir haben es im Museum für Naturkunde in Chemnitz entdeckt.

Wie entsteht Pflanzenkohle?

Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Luft wird von Pflanzen in Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O2) umgewandelt. Den Kohlenstoff speichern Pflanzen in ihrer Biomasse, den Sauerstoff geben sie wieder an die Atmosphäre ab. Pflanzen können das.

Im nächsten Schritt wird ein Teil der verholzten Biomasse (Äste, Zweige, Strauch- und Heckenschnitt oder andere trockene Pflanzenreste) genommen und in einem ganz bestimmten Verbrennungsverfahren, der Pyrolyse, zu Pflanzenkohle verarbeitet. Es ist ein Vorgang, der ohne Sauerstoff abläuft. Die verholzte Pflanzenmasse verbrennt nicht wie bei einem Feuer, von dem nur Asche übrig bleibt. Bei der Pyrolyse wird Energie freigesetzt, die genutzt werden kann. Es entsteht jedoch kein CO2, sondern der Kohlenstoff bleibt in seiner stabilen Form komplett erhalten: als Pflanzenkohle.

Die Pyrolyse kann in großen Anlagen vor sich gehen. Sie gelingt jedoch auch mit etwas Übung und Erfahrung in einem Erdloch oder mit einem kleinen Pyrolyse-Ofen im Garten.

Die durch das Pyrolyse-Verfahren gewonnene Pflanzenkohle ist eine sehr stabile chemische Verbindung. Wird sie nun in die Erde eingearbeitet bleibt sie dort in ihrer Form als Kohlenstoff dauerhaft gebunden.

Doch einmal in die Erde eingebracht, entfaltet sie weitere unglaubliche Fähigkeiten. Dazu mehr in unserem nächsten Beitrag.


Themenreihe zur Terra Preta

Wir wollen euch in mehreren Beiträgen Geschichte und Hintergründe zu dieser wunderbaren Erde näher bringen, euch ihre Zutaten vorstellen und ihre Herstellungsweise vermitteln. Es geht dabei auch um die Schaffung eines Millieus guter Mikroorganismen im Garten, den Schutz und Erhalt lebendigen Bodens und das Potential des klimafreundlichen Gärtnerns und Zukunftsideen.

Hier findet ihr alle Beiträge in der Übersicht

Nächster Beitrag

Klimafreundlich Gärtnern mit Pflanzenkohle

Buchtipps und Quellen

Fachverband Pflanzenkohle

Der Fachverband Pflanzenkohle macht eine sehr wertvolle Arbeit und hat eine sehr anschauliche Seite rund um das Thema Pflanzenkohle, ihre Eigenschaften und ihre Einsatzmöglichkeiten entwickelt.

Hier noch ein nettes Video von der Seite

KlimaKohleHoffnung

Ute Scheub, Haiko Piepelow, Hans-Peter Schmidt

Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald

Mit Klimagärtnern die Welt retten und gesunde Lebensmittel produzieren – Ein Buch von 2012, geschrieben von Ute Scheub unter Mitwirkung von Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt


Carolin Pfützner

Natürlich Gärtnern mit Terra Preta

Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon. Das erste Praxisbuch zu Terra Preta, geschrieben von Caroline Pfützner


Alles zu unserer Themenreihe zur Terra Preta findet ihr unter


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Veröffentlicht von sulina

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