Morgentau

Gerade noch wachen wir im Garten auf und laufen barfuß durch das taufrische Gras. Die tiefblauen Augen der Trichterwinden schauen uns Morgen für Morgen an. Ein beruhigender Anblick und eine wohltuende Erfrischung in diesen Hitzetagen.

Es ist seit Aufzeichnung des Wetters das heißeste Jahr weltweit. Hier in Berlin hat der September beschlossen, August zu spielen. Seit einem Monat schon hat es nicht einen Tropfen geregnet. Für das Gemüse ist das ein tolles Wetter – solange wir wässern können. Doch auch am Garten beobachten wir, wie sehr sich die Auswirkungen des Klimawandels bemerkbar machen.

Es ist das erste Jahr, in dem wir kein Obst und kaum Beeren ernten. Im April war es viel zu warm, die Blüten schon weit entwickelt und dann kam noch einmal Frost. Durch das sehr feuchtnasse und warme Wetter im Juni und Juli haben sich unglaublich viele Schnecken entwickelt und alle möglichen Pilzkrankheiten konnten sich in den Gemüsebeeten ausbreiten. Kein einfaches Gartenjahr. Gärtnern heißt dann immer gegensteuern und nach Möglichkeit die Pflanzen stärken.

Unser Zaubertrunk heißt „Brennessel-Beinwell-Schachtelhalm-Jauche“. Und wir haben ihn Woche für Woche immer wieder gut verdünnt mit Gießwasser an die Pflanzen verteilt.

So ernten wir Tomaten trotz Braunfäule (schlimm dieses Jahr), Zucchini und Hokkaidos trotz echten Mehltau und Gurken trotz falschem Mehltau. Das wiederum macht Freude und und außerdem ist es ein Bohnenjahr. Denn alle Beete, in denen uns die Schnecken alles runtergefuttert haben (die Möhren, Roten Beeten und Ringelbeeten) haben wir mit Bohnen bepflanzt. Gut geschützt in Töpfen alles vorgezogen.

Für uns ist das Gärtnern Erholung und Erdung und es ist gleichtzeitig die stete Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen der Zeit. Klimafreundliches Leben, Gerechtigkeit, Gutes Essen für alle, Naturschutz, Müllvermeidung oder wie es heute oft heißt „Zerowaste“, kurze Wege und wenig CO2-Ausstoß, Begegnungen und Gastlichkeit. Den zunehmenden Entfremdungen in dieser Welt etwas entgegen setzen und aktiv werden.

Wenn uns das im Kleinen gelingt, bekommen wir vielleicht auch eine Idee, wie es im Großen gelingen kann?


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Veröffentlicht von sulina

https://musse-unterm-apfelbaum.org/

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