Ihr erinnert euch: vor etwa 8 Monaten haben wir unsere ersten Auberginen auf der Fensterbank vorgezogen und waren ganz begeistert, dass die kleinen Pflänzchen sich so kräftig entwickelten.
Hier geht es zum Beitrag: Die Saaten auf der Fensterbank
Inzwischen konnten wir schon einige Früchte ernten. Und wir waren so erstaunt. Was für ein Geschmack!
Die Ansicht, dass Auberginen, auch Eierfrucht oder Melanzane genannt, keinen Geschmack haben, ist weit verbreitet. Und das trifft sicher auf die Früchte zu, die wir im Supermarkt zu kaufen bekommen. Die weltweite Agrarindustrie setzt auf sogenannte Hybridsamen. Das sind gentechnisch veränderte Samen, aus denen Pflanzen entstehen, deren Samen nicht mehr keimfähig sind. Auf diese Weise machen große Agrarkonzerne wie Bayer oder Corteva die bäuerlichen Produzent*innen von ihren Produkten abhängig. Denn meist sind die neu gezüchteten Sorten größer und sehen optisch besser aus. Der Trick ist, dass sich besonders viel Wasser im Gewebe der Früchte sammelt. Mehr Volumen, kein Geschmack. Und sie sind resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel wie Roundup oder Glyphosat, dass dann gegen alle anderen Pflanzen auf dem Feld eingesetzt werden kann.

In dem Dokumentarfilm „We feed the world“ von 2005 reist ein Vertreter des Hybridsaatgut-Konzerns Pioneer nach Rumänien. Hier wurden Auberginen damals noch überwiegend in kleinbäuerlicher Landwirtschaft aus samenfesten Saatgut mit viel Handarbeit hergestellt. Obwohl er als Vertreter der Hybridsaatgut-Industrie doch hinter dem stehen müsste, was er da täglich tut, stellt er als privater Mensch diese ganze Entwicklung am Beispiel von Rumänien in Frage: „Ich hoffe, dass sich das nicht so schnell ändert. Ich glaube aber, dass sich das ändern wird. Durch die vielen großen Konzerne, die hierher kommen und die Hybridsachen reinbringen. Die eigentlich das zerstören, was da an Natursachen angebaut wurde. Zum Beispiel Auberginen, Paprika, Tomaten, die noch wirklich Natursachen sind und nicht irgendwie mit Hybridsachen zu tun haben. (…) Der Standard von Lebensmitteln wird runtergehen, der Geschmack wird runtergehen. Es wird nicht mehr das sein, was es mal war, was es sein sollte. Die Kinder werden sich nicht mehr daran erinnern, wie eine Tomate geschmeckt hat oder ein Apfel. (…) Es wird alles anders schmecken. Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Und wir wollen ihn auch gar nicht aufhalten. So sieht es aus. Wir wollen es gar nicht aufhalten.“

Wir wollen wachrütteln und uns mit diesen Fragen auseinandersetzen. Über den Gartenrand hinaus.
Unser samenfestes Saatgut stammt von altbewährten, robusten Auberginen-Sorten. Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen und kleine Betriebe, die sich zur Aufgabe gemacht haben, ebensolche Sorten zu erhalten und sie wieder zu verbreiten.
Unsere Auberginen sind süßlich und leicht nussig im Geschmack. Und ihr Fleisch ist fest. Beim Anbraten tritt kein Wasser aus!
In diesem Sinne wollen wir zu einem Gartenbüffet mit den leckersten Auberginen und vielen anderen Köstlichkeiten „einladen“. Ganz aus samenfesten Sorten gezogen, ohne Einsatz von Chemie gewachsen, absolut Insektenfreundlich angelegt… Das sollte eine neue Perspektive sein!

Entdecke mehr von Muße unterm Apfelbaum
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.