Das Geheimnis der Terra Preta

Terra Preta do Indio – so lautet im Portugiesischen der Name für eine lebendige, nährstoffreiche, humushaltige, fruchtbare Erde. Sie wurde in Gebieten des Amazonas-Regenwaldes entdeckt und gab Wissenschaftler*innen lange Zeit mehrere Rätsel auf.

Wie kann es sein, dass es im Regenwald meterdicke Schichten von Humus gibt? Der Boden in tropischen Regenwäldern ist sehr nährstoffarm, durch das ganzjährige, üppige Wachstum werden alle Nährstoffe sofort wieder in Pflanzenmasse umgesetzt oder sie werden vom Regen weggespült. Es konnte demnach kein von Natur aus gewachsener Boden sein. Zudem fand man überall Tonscherben in dieser gehaltvollen Erde und ging davon aus, dass es zuvor dort menschliche Siedlungen gegeben haben muss. Hatten Menschen diese Erde selbst hergestellt?

Terra Preta do Indio

Das Geheimnis der Terra Preta, der schwarzen Erde, konnte durch genaue Untersuchung und nachahmende Praxis etwa 10 Jahre nach ihrer Entdeckung gelüftet werden.

Die Wissenschaftler:innen hatten zunächst die Humusschichten untersucht und dabei einen besonderen Bestandteil entdeckt: die Pflanzenkohle. Terra-Preta-Böden weisen einen Anteil von etwa 10 – 20 Prozent dieser Kohle auf.

Auch verfolgten sie die Spur der Tonscherben und kamen zu dem Schluss: die Menschen, die hier siedelten, haben alle ihre organischen Abfälle in Tongefäßen gesammelt und diese vermutlich mit der Pflanzenkohle gemischt und luftdicht verschlossen. Sobald sie gefüllt waren, wurden sie vergraben.

Hier setzte ein aufbauender Stoffwechselprozess ein, der ganz ohne Sauerstoff auskommt, jedoch Fäulnis und Schimmel verhindert: die Fermentierung. Die organischen Substanzen wurden sozusagen mit Hilfe von Milchsäurebakterien und guten Hefepilzen ähnlich wie Sauerkraut fermentiert.

Im nächsten Schritt übernahmen dann die Bodenlebewesen den Prozess der Vererdung. Ihr müsst wissen, dass nicht nur unser menschlicher Darm ein solches Millieu aus guten Mikroorganismen liebt und braucht, um gesund zu funktionieren. Fermentiertes organisches Material ist auch die Leibspeise von Regenwürmern und anderen Bodenlebewesen.

Mit der Vererdung zerbrachen dann auch die Tongefäße und hinterließen die Scherben.

Und auf diese Weise entstand ein fruchtbarer, lebendiger Wurmhumus, der mit Pflanzenkohle durchsetzt auch noch hunderte von Jahren später erhalten blieb und nun entdeckt wurde.

Die Terra-Preta-Humusschichten waren – so fanden die Forscher*innen heraus – vor etwa 500 – 700 Jahren durch menschliche Kulturen entstanden. Menschen, die einen sehr weisen Umgang mit den Kreisläufen der Natur pflegten. Ihr könnt euch in den Regenwäldern verteilt Gartenstädte vorstellen, in denen schätzungsweise 5 bis 25 Millionen Menschen von den Früchten dieser Orte lebten.

Das Team von Wissenschaftler*innen, die maßgeblich zur Erforschung der Terra Preta beigetragen hatten, traf eine grundlegende und sehr weitsichtige Entscheidung: Die Herstellungsweise und das Produkt „Terra Preta“ dürfen nicht patentiert werden. Die Forschungsergebnisse um ihre Komponenten und ihre Herstellungsweise sind also frei zugänglich – für uns alle. Es ist vergleichbar mit der Open-Source-Bewegung im Bereich der Programmierung von Software. Bei freier Software (z.B. Linux) ist der jeweilige Quellcode für jede und jeden frei zugänglich und kann weiterentwickelt werden.

Und damit sind wir auch schon bei dem, was die Terra Preta ausmacht und ihren Komponenten.


Themenreihe zur Terra Preta

Wir wollen euch in mehreren Beiträgen Geschichte und Hintergründe zu dieser wunderbaren Erde näher bringen, euch ihre Zutaten vorstellen und ihre Herstellungsweise vermitteln. Es geht dabei auch um die Schaffung eines Millieus guter Mikroorganismen im Garten, den Schutz und Erhalt lebendigen Bodens und das Potential des klimafreundlichen Gärtnerns und Zukunftsideen.

Hier findet ihr alle Beiträge in der Übersicht

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Erstaunliches über die Pflanzenkohle

Buchtipps und Quellen

Ute Scheub, Haiko Piepelow, Hans-Peter Schmidt

Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald

Mit Klimagärtnern die Welt retten und gesunde Lebensmittel produzieren – Ein Buch von 2012, geschrieben von Ute Scheub unter Mitwirkung von Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt


Carolin Pfützner

Natürlich Gärtnern mit Terra Preta

Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon. Das erste Praxisbuch zu Terra Preta, geschrieben von Caroline Pfützner


Alles zu unserer Themenreihe zur Terra Preta findet ihr unter


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Veröffentlicht von sulina

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